| UGANDA Die Perle Afrikas, Bericht 2005 |
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| Geschrieben von: Sigrid Gast |
| Montag, den 23. Januar 2006 |
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Oder: Ein Land der kalten Asche Viele von Ihnen erinnern sich sicher noch an den Sponsorenlauf 2004 zugunsten des Gehörlosen-Afrikaprojektes. Ich wurde von dem Projektleiter Herrn Ehrenreich und dem Vorsitzenden des "LV der Gehörlosen" in Bayern Herrn Gast eingeladen, mit nach Uganda zu fahren. Wir flogen am 19.05.05 von Frankfurt mit einer Übernachtung in Addis Abeba nach Entebbe. Am Flughafen Entebbe wurden wir von Schwester Immaculate (Leiterin der Gehörlosen-Schule in Masaka) abgeholt. In der Hauptstadt Kampala wurde zunächst in einem nur für Reiche und Weiße zugänglichen und von Soldaten bewachten Kaufhaus eingekauft und Geld gewechselt. Kampala ist eine riesige und stinkende Stadt mit 1,4 Millionen Einwohnern, ohne jede Ampel, Verkehrszeichen oder Verkehrsregelung mit unzähligen bettelnden Menschen, Krüppeln, Kindern und verarmten alten Menschen. Armut und Elend überall. Als Westeuropäer kommt man sich schon recht unwohl vor und man überlegt, ob es richtig war, nach Afrika zu fliegen. Schließlich trägt man doch - gewollt oder nicht - unsere Kultur und die Zeichen des Reichtums in dieses Land. Große ausländische Bank- und Versicherungsgebäude, die Gebäude der großen ausländischen Telefongesellschaften und die Regierungsgebäude zeugen von der unüberwindbaren Kluft zwischen arm und reich. Sehr auffällig auch die Coca-Cola-Werbung an jedem zweiten Haus. Die Aufmerksamkeit, die ich errege, will ich nicht. Die Kriminalität ist enorm hoch. Weißen wird empfohlen, nach 18 Uhr nicht mehr allein auf die Straße zu gehen. Das Auto (von UNESCO und von uns finanziert) musste immer von unserem schwarzen Fahrer Mike bewacht werden. Jedes kleinste Bauteil des Wagens trägt die Autonummer eingraviert, damit es bei Diebstahl später zugeordnet werden kann. Nach Einbruch der Dunkelheit zwischen 18 und 19 Uhr wird in Uganda der Strom abgeschaltet, weil der Strom dann an die Nachbarländer verkauft wird. Dann rattern bei den Reichen Notstromaggregate und bei den Armen wird der Zivilisations-Plastk-Müll verbrannt und dient als spärliche Lichtquelle und zum Kochen. Es legt sich gegen Abend eine beißende, unerträgliche Rauchschicht gemischt mit Dieselgestank über das ganze Land. Es ist absolut dunkel und es gibt kein Auto mit vollständiger Beleuchtung. Die vielen Fahrräder habe gar keine Beleuchtung. Viele Menschen gehen auf den Straßen zwischen den Dörfern - dunkle Menschen mit dunkler Kleidung. Sie sind alle unterwegs zum nächsten Wasserloch oder tragen große Brennholzbündel auf dem Kopf. Einige fallen im letzten Moment durch ihre meist gelben Wasserkanister auf. Die meisten Menschen wohnen an der Straße - die einzige befestigte Straße weit und breit. Im Dunkeln scheint das Land zu erwachen. Es kommt häufiger vor, dass wir auf der Straße im letzten Moment einen völlig überladenen Bananen-LKW ohne jede Beleuchtung entdecken - Glück gehabt. Überholen in der Kurve oder am Berg - kein Problem und durchaus normal. Linksverkehr!
In Masaka fuhren wir von der befestigten Straße ab. Auf Feldwegen ging es durch Bananenplantagen weiter über Ackerwege zur Gehörlosenschule in Bwanda. Erleichterung und ein netter Empfang. Wir wurden in einem Gästehaus und im Schwesternwohnhaus untergebracht.
Morgens um 10 Uhr bereiteten uns die 209 gehörlosen Kinder dann einen prächtigen Empfang. Sie kamen uns schon auf dem Weg zur Schule entgegen und freuen sich sehr. Es gab verschiedene Tanzauftritte mit Trommeln, Spielen und Theateraufführungen. Es war eine 2 1/2 -stündige Vorstellung, die alle Kinder aufmerksam, fröhlich und mit innerer Beteiligung verfolgten. Wir stellten uns mit unserem Gebärdennamen vor und wurden in den nächsten Tagen von den Kindern auch so angesprochen.
Ich besichtigte noch die vier großen 10.000-Liter-Wassertanks, die wir ja von unserem Sponsorengeld mitfinanziert haben. Jetzt müssen die Kinder nur noch einmal nach der Schule zum Wasserloch laufen. Die Trockenzeit war in diesem Jahr zu lang und die Wassertanks konnten sich nicht ganz füllen.
Es gibt viele Nähereien, die mit ihren Nähmaschinen vor den Läden arbeiten. Wo sonst? Man kauft sich Stoff, geht damit in die Näherei und bekommt dann ein genau angepasstes Kleidungsstück - keine Standardmaße S, M, XL, XXL. Mit unseren Kleiderspenden zerstören wir die Existenz der kleinen Nähereien (falsch verstandenes Mitleid!? Nähen können sie gut!). Kinder bieten überall gegrillte Heuschrecken und Erdnüsse für die Mahlzeit zwischendurch an. Auf dem Rückweg fallen mir die vielen spezialisierten Werkstätten auf. Einer stellt nur Tische her, der andere nur Betten, der nächste nur Stahltüren, der vierte handelt mit halben Autos usw. Die Werkstätten befinden sich fast immer draußen vor der Tür. Am Abend wird wieder der Strom abgestellt. Trotzdem fallen uns die hellen Lichter überall auf. Das sind die Heuschreckenfallen: lange Wellbleche werden in eine Tonne gestellt. Oben auf den Wellblechen sind Scheinwerfer. Die Heuschrecken werden durch das Licht angelockt, verbrennen sich an den Scheinwerfern die Flügel und rutschen auf den Wellblechen in die Tonnen.
Als es aber zu viele gehörlose Kinder wurden, stellte die Kirche in der Nähe auf dem Berg ein Grundstück zur Verfügung. Für die Gebäude sorgte die englische Regierung und nicht zuletzt das Gehörlosen-Afrikaprojekt Bayern. Aber schon jetzt reichen die Gebäude nicht aus, alle gehörlosen Kinder dort zu unterrichten. Es hat sich herumgesprochen, dass gehörlose Kinder auch ein Recht auf Bildung haben. So gibt es in der Schule für Hörende noch zwei Vorschulklassen mit Kindern ab 3 Jahren. Sie werden von gehörlosen Lehrerinnen und je einem Assistenten unterrichtet. Die Klassenräume für die 25 gehörlosen Kinder sind dunkel und spartanisch ausgestattet, an den Wänden viele gemalte Bilder und an der Decke eine Neonlampe.
Die Kinder lernen ab 3 Jahren das Fingeralphabet und die Gebärdensprache. Wir durften richtig mitmachen und es war schon faszinierend, wenn die linke Hand eines kleinen Kindes die Fingerstellung der rechten Hand so hinbiegen muss, dass es korrekt ist. Dabei geht es nach unseren Maßstäben eher ruppig zu. Trotzdem wird bei jeder gelungenen Aktion applaudiert (in der Gebärdensprache) und die Kinder freuen sich. Disziplinprobleme gibt es trotz der großen Klassen nicht - wie auch immer das erreicht wird.
Auch mit dem Bau eines Berufsbildungszentrums beschäftigt sich das Projekt bereits. Die gehörlosen Kinder werden zwar bis zur 7. Klasse unterrichtet, aber was ist danach? Ihnen bleibt nur, wieder in ihre Dörfer zu gehen, in denen sie niemand versteht und keine Berufsaussichten bestehen.
Die Kinder lernen ab dem 1. Schuljahr Englisch und ab der 5. Klasse ist die Schriftsprache Englisch. Die einheimische Sprache "Lugando" ist verpönt und die Kinder werden durch Schilder aufgefordert: "Speak English all the time!"
Unterwegs zeigten sie uns noch die Schätze Ugandas: Erdnüsse, Bananen überall, Ananas usw. Sie erzählten uns auch, dass es am Wasserloch viele Schlangen und Affen gäbe. Also vorsichtig! Erschütternd für mich sind die Behausungen am Wegesrand. Sehr viele Kinder in Lumpen und unvorstellbarer Armut. Mich beeindruckt die Ausgelassenheit und die Kraft der gehörlosen Kinder sehr. Sie mussten doch nun schwere Wasserkanister 4km bergauf schleppen. Kein Kind hat über die Anstrengung geklagt und alle waren fröhlich und vergnügt. Ich konnte es mir nur so erklären, dass das Wasserholen die einzige Zeit am Tag ist, in der die Kinder ein wenig spielen und ihre sozialen Kontakte pflegen können. Kaum waren wir wieder in der Schule angekommen, nahm sich jedes Kind eine Plastikschüssel, wusch seine Kleidung vom Vortag und legte die Wäsche in die letzte Abendsonne. Ausnahmsweise gab es noch eine "kleine" Leckerei in Form eines 50 cm langen Zuckerrohrs. Alle sind ganz begierig darauf und beißen einfach vom Zuckerrohr ab - europäische Zähne schaffen das nicht. Um 18:30 Uhr ist es dunkel und der Strom wird abgestellt. Für gehörlose Kinder, die sich in der Gebärde unterhalten, ist jede Unterhaltung damit vorbei.
In den Klassen, den Schlafräumen und vor allem draußen auf dem Weg zur Toilette konnte nun abends Licht gemacht werden. Die Toiletten liegen etwas abseits und es ist im Dunkeln ein langer und auch gefährlicher Weg. Es gibt viele Schlangen dort, z.B. die sehr giftige Speikobra. Meine Mitfahrer wurden auf ihrer Terrasse einmal von einer Speikobra besucht. Sie ist eine der giftigsten Schlangen der Welt. Schwester Annette hat sie sofort getötet.
Anschließend sprachen wir noch über den Bau eines Speisesaales mit dem Architekten. Wir gingen den Kostenvoranschlag durch und konnten so den Preis erheblich drücken.
An einem Nachmittag versammelten wir uns mit allen Kindern und Lehrern zu einem Frage-und-Antwort-Nachmittag. Die Kinder stellten vor allem Fragen zu AIDS, über Ehe, Familie und Kinderzahlen, Scheidungsraten, ob unser Blut auch rot ist, ob die Kinder zuhause und in der Schule geschlagen werden, ob die Kinder in Deutschland auch Schuluniformen tragen, über Mode und Frisuren usw. Deutlich war zu erkennen, dass viele Kinder die Vorstellung haben, später nach Europa zu gehen.
Natürlich mussten wir beim Überqueren des Äquators noch einmal anhalten und mit einem Fuß auf dem Nordteil und mit dem anderen Fuß auf dem Südteil der Erde stehend einige Fotos machen. Hier steht die Sonne senkrecht zur Erde und es gibt fast keinen Schatten. Bericht von Manfred Becker, Osnabrück |





